TAZ-Blog von Dilek Zaptçýoðlu: Istanbulblog vom 30.08.2006: "Freiheitsfalken"
Für den Terror in den Urlaubszentren und in Istanbul scheinen die “Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) verantwortlich zu sein - sie haben sich jedenfalls offiziell dazu bekannt. TAK ist eine Splittergruppe, oder ”inoffizielle Unterorganisation” der PKK - im Klartext heißen sie “Teyrebazen Azadiya Kurdistan”. Sie verstehen sich als “Kurdische Rachebrigaden” in Anlehnung an die “Türkische Rachebrigade” (TIT), die in den 1970ern auf Zypern im Bürgerkrieg gegen griechische Freischärler kämpfte. TAKs Webseite im Internet ist durch Gerichtsbeschluß … [....] Mehr…»

“Freiheitsfalken”

Für den Terror in den Urlaubszentren und in Istanbul scheinen die “Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) verantwortlich zu sein - sie haben sich jedenfalls offiziell dazu bekannt. TAK ist eine Splittergruppe, oder ”inoffizielle Unterorganisation” der PKK - im Klartext heißen sie “Teyrebazen Azadiya Kurdistan”. Sie verstehen sich als “Kurdische Rachebrigaden” in Anlehnung an die “Türkische Rachebrigade” (TIT), die in den 1970ern auf Zypern im Bürgerkrieg gegen griechische Freischärler kämpfte. TAKs Webseite im Internet ist durch Gerichtsbeschluß gesperrt. Da das mit jeder neuen Seite passiert, lassen sie ihre Erklärungen meistens über die Nachrichtenagentur Mezopotamya in Deutschland verbreiten - die wiederum der PKK “nahe steht”. Das islamistische Wochenblatt “Aksiyon” beschrieb im April 2005 ausführlich, wie die TAK ihre Kader vor allem aus Studentenkreisen und Ex-PKKlern in den Städten rekrutiert. Es seien auch Frauen darunter. Dem Bericht nach versteht sich die TAK als eine “professionelle” Kaderorganisation, in der jeder in einer bestimmten Art von Sabotage & Angriff ausgebildet wird. Ihre Basis sind ganz offensichtlich die Großstädte. Ihr Headquarter soll sie in Istanbul haben.

Die Liste der Terrorakte TAKs ist lang. Kleinbus in die Luft gesprengt in Kusadasi, Bombe gelegt an den Wasserfällen in Manavgat, Banken, Polizeiwachen, banale Geschäfte, Straßenkreuzungen. Alleine im Jahre 2006 gehen ca 30 Anschläge auf ihr Konto, mit insgesamt 12 Toten und über 200 Verletzten. Im April 2006 haben sie sich zu dem Großbrand in einer Istanbuler Chemiefabrik bekannt. Erst vor wenigen Tagen erklärten sie, dass sie für die verheerenden Waldbrände in West- und Südtürkei verantwortlich sind. Vor allem bei Bodrum waren über 700 ha Wald für Jahrzehnte vernichtet worden, samt über 3000 Bienenstöcke, die für Tausende von Bauern als Lebensgrundlage dienten. Murat Yetkin, Hauptstadtkorrespondent der linksliberalen Tageszeitung “Radikal”, hält die Sabotage in den Wäldern für möglich und schreibt, daß die TAK “eine der vielen Tarnorganisationen der PKK” sei. Die britische Regierung wird das auch so gesehen haben, denn am 25. Juli 2006 verbot sie mit der PKK und KongraGel auch die TAK.

Die „Falken“ werden langsam zum Markenzeichen für den blutigsten Terror der kurdischen Seite. Erstmals sprach Osman Öcalan, Ex-PKK-Führer und Bruder des lebenslänglich verurteilten PKK-Chefs Abdullah Öcalan, im März 1996 in einer Fernsehrede von den „Falken“: „Mit Racheakten in türkischen Metropolen beginnt die Ära der Fedayiin (Märtyrer). Unsere Jugend wird Racheorganisationen gründen, zum Beispiel ´Apos Rachefalken´“ Apo ist der Spitzname des PKK-Chefs Öcalan. Bei den kurdischen Newroz-Feiern im März 1999 trat die Gruppe „Apos Rachefalken“ sozusagen offiziell auf. Im März 2001 legten sie unter dem Namen „Falken der Sonne“ eine Bombe in einer Istanbuler Polizeiwache. Zwei Jahre später begegnete man „Apos Freiheitsfalken“ in Istanbul bei Straßenschlachten mit der Polizei.

Die heutigen „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) traten 2004 auf die Bühne. Nach der Beendigung des Waffenstillstandes der PKK mit der Armee am 1. Juni 2004 gingen bis zum 1. November 2005 ca 90 Terrorakte gegen Zivilisten im Westen des Landes auf ihr Konto. In Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Mersin, Iskenderun, Antalya und Bursa wurden Läden, Banken, Tankstellen, Hotels und Fabriken zur Zielscheibe kurdischer Terroristen. Autos wurden in Brand gesetzt, in Istanbul ein Molotowcoctail auf einen Verkehrsbus geworfen. An der Ägäisküste wurden Touristen angegriffen. In Van versuchte die TAK den Gouverneur zu töten.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Diyarbakir haben ca 400 kurdische Milizen, die im PKK-Lager auf dem Berg Kandil im Nordirak ausgebildet wurden, die TAK gegründet. Der TAK-Führer sei ein Kurde namens Feyman Hüseyin alias Dr. Bahoz Erdal. Der Mann sei zugleich ein ehemaliger Anführer der “PKK-Volksarmee” HPG. Feyman Hüseyin käme in der Hierarchie der PKK gleich hinter dem derzeitigen Chef Murat Karayilan, heißt es. Ein gefangenes TAK-Mitglied soll der Polizei gestanden haben: „Die TAK wurde von Murat Karayilan gegründet. Wir werden in Nordirak, auf dem Kandil-Berg zwei Monate lang an Bomben trainiert. Karayilan schickte mich mit einem auf den Namen Hadschi Ahmet Korkmaz ausgestellten Ausweis und 5000 Dollar nach Syrien. Ich hatte den Auftrag, Sabotageakte in Touristenzentren zu verüben. Von Syrien aus setze ich nach Iskenderun in die Türkei über. Bei den Vorbereitungen wurde ich gefangen. Es gibt auf dem Kandil-Berg noch ca 300 TAK-Leute.“ Dieser Berg wurde angeblich in den letzten Wochen von türkischen Armee-Einheiten aus der Luft bombardiert. Das PKK-Lager dürfte längst aufgelöst sein. Im „Terrorismusbericht“ der USA vom 28. April 2006 heißt es: “Turkey’s ongoing struggle against the Kongra-Gel/PKK was marked by increased violence across Turkey. In the Southeast, Turkish security forces were active in the struggle against the Kongra-Gel/PKK. There were a number of bombings and attempted bombings in resort areas in western Turkey and Istanbul, some of which resulted in civilian casualties. A Kurdish separatist group calling itself the Kurdish Freedom Falcons (TAK), widely believed to be affiliated with the Kongra-Gel/PKK, claimed responsibility for many of these attacks.”

Soner Cagaptay, ein wichtiger (türkischstämmiger) Terroranalyst des Washington Institute for Near Eastern Policy, verfaßte im Dezember 2005 einen Bericht namens “Europe´s Terror Problem - PKK Fronts Inside the EU”. Hier gibt er einen guten Überblick über den (damaligen) Stand der Dinge und sagt:

“On September 5, 2005, the German Interior Ministry shut down E. Xani Presse und Verlags, publisher of the pro-PKK Ozgur Politika newspaper. On September 19, the German authorities shut down Welat Press Verlag, operator of the Mezopotamia-Nachrichtenagentur news agency (MHA) and of the web sites of Roj Online. However, on October 20, Germany’s Federal Administrative Court overturned the Interior Ministry’s decision to shutter Ozgur Politika.

Despite these steps, a number of organizations in Europe bear close examination to see if they are in effect PKK fronts or otherwise close to the PKK. (…)

Kurdistan Youth Freedom Movement (TECAK): This group’s website is hosted in Denmark. TECAK is extremely violent. According to information posted on its website, the Kurdistan Freedom Falcons (TAK), a TECAK spinoff, has carried out a number of attacks in Turkey, including four bombings in Istanbul between October 6 and October 15. On July 16, TAK bombed a bus in the Turkish resort city of Kusadasi. The attack killed five people, including one Briton and one Irish citizen.”

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